Gerücht um Baustellenverkehr A44
Kral gibt Entwarnung für Homberg, das schon genug unter Verkehr leidet
Keine Lkw auf der Dorfstraße
Ratingen-Homberg. Bei Nachrichten zum Thema Autoverkehr sind die diesbezüglich arg gebeutelten Homberger hellhörig. Daher machte im Dorf am Wochenende eine Notiz aus der Rheinischen Post Heiligenhaus schnell die Runde. Der Baustellenverkehr für den zweiten Abschnitt des A44-Ausbaus werde unter anderem über die Dorfstraße geführt, hieß es da. Man kann sich die Aufregung vorstellen, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Hermann Pöhling, der selbst in Homberg wohnt, beantragte umgehend, das Thema auf die Tagesordnung des Rates am Dienstag zu setzen. Dort gab Baudezernent Jochen Kral dann schnell Entwarnung: Die Sache mit der Dorfstraße sei „frei erfunden“. Immerhin ein kleiner Lichtblick für die Homberger, die gleichwohl – das ist nicht zu ändern – in den nächsten Jahren unter dem Verkehr noch mehr zu leiden haben werden als bisher.

Das liegt an den zwei Bauabschnitten der A44. Der östliche zwischen Hofermühle und Velbert ist weit fortgeschritten, dort wird der Verkehr voraussichtlich 2017 rollen. Doch am vorläufigen Autobahnende wird der Verkehr dann bis zum Kreuz Ratingen-Ost abgeleitet – vorzugsweise über Homberg. Ein paar Jahre wird das so gehen, denn ein Termin für den Baubeginn des zweiten Abschnitts ist nicht in Sicht. „Wir haben noch nicht einmal einen Planfeststellungsbeschluss“, sagte Jochen Kral im Rat. Der Landesbetrieb musste auf Geheiß des Verwaltungsgerichts die Planung für die Entwässerung im Bereich des Autobahnkreuzes aufwändig korrigieren.

Aber natürlich wird der Bau schon mal vorbereitet. Problematisch ist vor allem die Baulogistik bei der Errichtung der großen Brücke über das Angertal. Dazu erstattete die „Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH“ (DEGES), die diesen zweiten Abschnitt statt des Landesbetriebs Straßen NRW bauen wird, jetzt im Fachausschuss der Stadt Heiligenhaus Bericht. Und in der Ankündigung dieses Termins in der RP wurde die voraussichtliche Baustellentrasse skizziert: Anfahrt von der Ratinger Straße in Heiligenhaus aus, Abfahrt der Lkw über In der Brück, Schneppersdelle und Dorfstraße.

Schon da hätte jedem Ortskundigen auffallen müssen, dass dies nur eine Ente sein kann. Denn nicht nur ist die Dorfstraße so schmal, dass da kein Schwerlastfahrzeug durchkommt, „ohne dass vorher Häuser abgerissen werden müssten“, wie Hermann Pöhling im Rat anmerkte. Die Dorfstraße ist auch noch Einbahnstraße in die „falsche“ Richtung. Kral stellte das in der Ratssitzung richtig, aber mehr zur tatsächlichen Baustellentrasse wollte er nicht sagen, man müsse zuerst noch Gespräche mit betroffenen Landwirten führen. Auf jeden Fall werde es die Stadt nicht zulassen, dass Schwerlastverkehr durch Wohngebiete geführt wird, sagte Kral.

Wo man auch immer fündig wird – viele Homberger werden sicherlich den Tag herbeisehnen, an dem es endlich losgeht. Denn sie haben verkehrstechnisch seit langem nichts zu lachen. Im September, als es wegen der vielen Baustellen zwischen Ratingen und Mettmann besonders schlimm war, hatte der Landtagsabgeordnete Dr. Wilhelm Droste sogar einen Brandbrief an Verkehrsminister Michael Groschek geschrieben. Kilometerlange Staus zwischen Homberg und Ratingen in der Hauptverkehrszeit seien tägliche Normalität geworden, das Land solle dafür sorgen, dass die Baustellen besser koordiniert werden.

Nun hat Groschek geantwortet. Der Minister sieht die Ursache für den regelmäßigen Verkehrsinfarkt jedoch nicht in den Baustellen. Die würden durch „regelmäßige und intensive Abstimmung zwischen den zuständigen Behörden“ prima koordiniert. Vielmehr sei die L422 grundsätzlich an der Kapazitätsgrenze angelangt. Zudem hätten Untersuchungen gezeigt, dass die Ampeln in Homberg schlecht geschaltet sind. Im Hinblick auf den zunehmenden Verkehr durch die Autobahnfreigabe 2017 entwickele zurzeit ein Ingenieurbüro eine neue, koordinierte Lichtsignalsteuerung. Angestrebt wird eine Grüne Welle, auch soll die Einmündung Schöllersfeld durch eine neue Ampel geregelt werden. Entspannung für Homberg ist erst in Sicht, wenn die A 44 ganz fertig ist – in drei, vier oder auch erst in fünf Jahren. Droste fordert Groschek auf, endlich aufs Gaspedal zu drücken. es



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