Reaktionen auf Wochenblatt-Artikel
Wie lange werden Homberg und Hösel unter zunehmendem Verkehr leiden?
A44-Verzögerung bereitet Sorgen
Hier an der Ratinger Straße wird der erste Abschnitt der A44 von Velbert nach Heiligenhaus in ca. drei Jahren enden. Die seit Jahren fast fertige „Phantombrücke“ wird übrigens demnächst an die Straße angeschlossen. Foto: Egon Schuster
Ratingen. Der Wochenblatt-Bericht vom 9. Oktober über den Fortgang des A44-Baus zwischen Ratingen und Velbert hat bei vielen Bürgern und Politikern Befürchtungen ausgelöst – und zwar unabhängig davon, ob sie den Autobahnbau herbeisehnen oder ablehnen. Grund zur Sorge bereitet vor allem die sich immer deutlicher abzeichnende Verzögerung der westlichen Ausbauhälfte zwischen Hofermühle (Ratinger Straße in Heiligenhaus) und Kreuz Ratingen-Ost. Ab 2017 oder 2018 wird der Verkehr mindestens drei Jahre lang zwar auf dem östlichen Abschnitt zwischen Velbert und Heiligenhaus fließen, dort aber in Richtung Homberg bzw. Hösel abgeleitet werden müssen. Der Bundestagsabgeordnete Peter Beyer ist alarmiert und mahnt beim Landesbetrieb Straßen NRW „entlastende Konzepte“ an. Die Bürger-Union Ratingen beantragt dringend die Durchführung einer Info-Veranstaltung mit den Verantwortlichen von Straßen NRW an. Und auch die Bürgerinitiative gegen die A44 meldet sich zu Wort. Dort glaubt man, dass sich der Bau des zweiten Abschnitts noch viel länger hinziehen wird.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die vehementesten Lobbyisten des A44-Lückenschlusses seit jeher aus Heiligenhaus und Velbert kamen und weniger aus Ratingen. Die beiden niederbergischen Städte profitieren besonders von dieser Autobahn, die sie ein gutes Stück näher an Düsseldorf, seinen Flughafen und das rheinische Fernautobahnnetz heranrücken lässt – ein Riesenpfund für die Wirtschaftsförderung, über das Ratingen indes längst verfügt. Ratingen bekommt durch die neue Autobahn – nun ja, bessere Verbindungen nach Heiligenhaus und Velbert, was für den einen oder anderen auch schön ist, für den Wirtschaftsstandort aber eher nebensächlich. Ein zweiter Vorteil für Heiligenhaus ist die erhebliche Entlastung der Innenstadt. Dort ist die Situation wegen des Durchgangsverkehrs auf der B227 in der Tat unzumutbar.

Ob die Ratinger Stadtteile Homberg und Hösel dagegen tatsächlich – wie von vielen Befürwortern vorhergesagt – in ähnlichem Ausmaß entlastet werden, darf ohnehin bezweifelt werden. Und zumindest in den Jahren ab 2017, wenn der erste Bauabschnitt, wie geplant, in Betrieb geht, wird das Gegenteil eintreten. Der voraussichtlich schon in dieser Phase zunehmende Verkehr muss sich nach wie vor durch Hösel oder (vor allem) Homberg wälzen. Und wie lange dieser Zustand anhält, ist höchst umstritten. Im günstigsten Fall drei Jahre, und der tritt dann ein, wenn das nachgebesserte Planfeststellungsverfahren, das aber noch nicht einmal in der Beschlussphase ist, alle fachlichen, verwaltungstechnischen und rechtlichen Hürden reibungslos nimmt. Damit ist nach den bisherigen Erfahrungen kaum zur rechnen.

Jürgen Lindemann, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die A44, sagt lakonisch: „Die A 44-Geschichte lehrt, dass Terminangaben über eventuelle Fertigstellungen sehr skeptisch zu beurteilen sind.“ Lindemann erinnert sich noch gut an eine Pressemitteilung des damaligen Bundestagsabgeordneten und Velberter Bürgermeisters Heinz Schemken aus 1986, nach der im Jahr darauf mit dem Bau der A 44 begonnen werde. Bekanntlich hat das dann schlanke 25 Jahre länger gedauert. Lindemann glaubt nicht einmal an die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts im Jahr 2017: „Der Landesbe¬trieb kann beim Bau noch auf erhebliche unliebsame Überraschungen stoßen.“ Bei der Laubecker Brücke in Velbert habe man beispielsweise erst beim Bau festgestellt, dass die Brückenpfeiler – anders, als in der Planung behauptet – doch im Kalk gegründet werden müssen. Man habe eine „sehr aufwändige und teure Lösung“ wählen müssen, so Lindemann. Es sei kein Wunder, dass sich die Baukosten gegenüber der ursprünglichen Planung auf 222 Millionen Euro fast verdoppelt hätten.

Und das sei noch nicht das Ende, orakelt Lindemann. Denn der zweite, westliche Abschnitt, sei noch weitaus schwieriger zu bauen als der erste. Allein schon deshalb werde sich der Bau erheblich verzögern, die Entwässerung im Kreuz Ratingen-Ost und eventuelle Klagen dagegen würden nur vorgeschoben. Vielmehr habe der Landesbetrieb von vornherein im Stile einer Salamitaktik agiert: den leichteren Osten vorziehen, den problematischen Westen mit der Überbrückung des Angertals an der Stadtgrenze Heiligenhaus-Ratingen zunächst ausblenden und dann nachschieben. Diese Vorgehensweises habe man aber nicht offen kommunizieren können, weil man damit „zumindest gegen den Geist des Urteils des Oberverwaltungsgerichtes Münster aus dem Jahre 1990 verstoßen“ hätte. Dieses hat den seinerzeitigen alleinigen Planfeststellungsbeschluss für den östlichen Abschnitt aufgehoben, da dieser Abschnitt allein nicht gerechtfertigt sei und nur das Gesamtstück Ratingen-Velbert einen Sinn mache.

Jürgen Lindemann: „Genau diese vom Gericht abgelehnte Zweiteilung nimmt der Straßenbau jetzt vor und nimmt die Anwohner in den Ortsdurchfahrten als Geiseln, um ein problematisches Projekt durchzusetzen.“ Angesichts der großen Finanzierungsprobleme für teils viel wichtigere Instandhaltungsarbeiten dürfe man die Finanzierung des womöglich noch teureren A-44-Lückenschlusses keinesfalls als endgültig sicher betrachten.

Diese Sorge treibt auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Beyer (den Nach-Nachfolger Schemkens) schon länger um. Vor einigen Monaten hatten ihn Informationen alarmiert, dass noch nicht benötigte A44-Mittel für Sanierungsarbeiten am Kölner Ring zweckentfremdet worden seien. Der erschütternde Investitionsstau am bestehenden NRW-Autobahnnetz ist täglich an den Verkehrsnachrichten ablesbar. Dauergast dort unter anderem die A3. Die extrem stark befahrene Fernautobahn befindet sich seit Jahrzehnten in einem Zustand des Dauerausbaus, weil der erreichte Stand immer nur für ein paar Jahre reicht, um das gewachsene Verkehrsaufkommen aufzunehmen. Das neueste Vorhaben: Erweiterung auf vier Streifen je Fahrtrichtung zwischen Hilden und Breitscheid. 20 Kilometer, die wegen des Geländes mindestens so schwierig zu bauen sind wie der A-44-Lückenschluss.

Noch ist nicht sicher, dass dieser Ausbau tatsächlich kommt, aber das Land NRW hat das Projekt auf jeden Fall für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 angemeldet. Sollte es zum Ausbau kommen, schwant Peter Beyer Schlimmes: „Wenn gleichzeitig der Verkehr des dann fertiggestellten östlichen Bauabschnitts der A 44 zwischen Velbert und Heiligenhaus und zusätzlich der Baustellen-Ausweichverkehr von der A 3 über die dörflichen Landstraßen rollt, ist das für die Anwohner kaum erträglich.“ Die zuständigen Planungsbehörden müssten rechtzeitig die Bürger entlastende Konzepte vorlegen.

Genau dies fordert auch die Bürger-Union. Sie erinnert an einen Ratsbeschluss vom 24. Juni 2014, mit dem die Verwaltung beauftragt worden war, eine Informationsveranstaltung mit Vertretern von Straßen NRW durchzuführen. „Seitdem sind vier Monate vergangen“, schreibt die BU an Bürgermeister Pesch. Sie will wissen, ob es einen Termin gibt. es


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