Gute und schlechte Nachrichten von der größten Baustelle der Region
Der zweite Abschnitt nach Ratingen wird noch ein paar Jahre länger dauern, aber:
A44-Bau bei Heiligenhaus kommt jetzt zügig voran
Schöne Aussicht: Im Hang des Angertales südlich von Heiligenhaus ist die Trasse der künftigen A44 bereits angelegt. Foto: Egon Schuster
Von Egon Schuster

Ratingen. Der Bau des neuen Autobahnabschnitts im Zuge der A44 zwischen Ratingen-Ost und Velbert kommt zügig voran. Auf einer Strecke von fünf Kilometern ist die Trasse bereits angelegt, mehrere Brückenbauwerke stehen in der Landschaft, demnächst wird der erste Asphalt aufgetragen. Bauleiter Olaf Wüllner vom Landesbetrieb Straßen NRW ist zuversichtlich: „Mitte 2017 kann der Verkehr fließen.“ Das ist natürlich für alle Autofahrer, die schon mal im Nordosten des Kreises Mettmann zu tun haben, eine sehr gute Nachricht. Die schlechte ist allerdings, dass der Lückenschluss damit noch lange nicht geschafft ist. Denn fahren wird man in drei Jahren – wenn es denn so schnell klappt – nur von Velbert bis zur Anschlussstelle Heiligenhaus an der Ratinger Straße oberhalb der Hofermühle. Der zweite Abschnitt des Lückenschlusses bis zum Kreuz Ratingen-Ost, der für eine durchgehende Autobahn von Mönchengladbach bis Essen sorgen würde, wird erst zwei Jahre später fertig – allerfrühestens. Sollten weitere Klagen folgen, kann es sich im schlimmsten Fall noch ein paar Jahre länger hinziehen.

Das Problem ist die Entwässerung im Bereich des Autobahnkreuzes Ratingen-Ost. Den Planfeststellungsbeschluss zu einem Regenrückhaltebecken am Autobahnkreuz Ratingen-Ost/Homberg befand das Bundesverwaltungsgericht für rechtswidrig. Straßen NRW muss nachbessern und das ist durchaus aufwändig. Es muss ein neues Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, aber knapp drei Jahre nach dem Gerichtsbeschluss hat der Landesbetrieb den Antrag formal noch gar nicht gestellt. Die Unterlagen würden vorbereitet und in Kürze bei der Genehmigungsbehörde eingereicht, so Bauleiter Wüllner. Mit einem Beschluss rechnet er gleichwohl schon im nächsten Jahr, so dass dann theoretisch auch dieser Bauabschnitt in Angriff genommen werden könnte. Allerdings ist bei diesem komplizierten und höchst umstrittenen Straßenbauverfahren noch gegen jeden Verwaltungsakt geklagt worden. Mit viel Geduld mussten über Jahrzehnte zahlreiche Hürden aus dem Weg geräumt werden. Diese letzte wird das Bauvorhaben nach menschlichem Ermessen nicht mehr stoppen können, wohl aber verzögern. Sollten die Gerichte im Falle einer Klage nicht nur über den Knackpunkt der Entwässerung befinden, sondern auch die sofortige Vollziehung der Gesamtmaßnahme bis zur Rechtskraft der Entwässerungsplanung aussetzen, dürfte sich die Vollendung des Autobahnbaus deutlich in die 20er Jahre ziehen.

Und das wäre dann zumindest für alle Homberger und Höseler – ganz gleich, ob Autobahnbefürworter oder –gegner – eine sehr schlechte Nachricht. Denn wenn die vielen Autofahrer, die die schöne neue Verbindung laut Prognosen von Niederberg in Richtung Rheinland nutzen werden, an der Ratinger Straße von der Autobahn abgeleitet werden, müssen sie ja entweder nach links (Homberg) oder rechts (Heiligenhaus und weiter nach Hösel) abbiegen. Bei Straßen NRW weiß man natürlich auch genau, dass die Ratinger Straße nicht für solches Verkehrsaufkommen gemacht ist. Daher wird das Nadelöhr zurzeit ausgebaut, sie wird breiter und bekommt einen kräftigeren Unterbau. Um das zu bewerkstelligen, werden im Bereich rund um den Grünen Jäger gerade riesige Erdmengen bewegt. In diesem Zuge soll dann endlich auch die „Geisterbrücke“, die eine grüne Grube ohne Funktion überspannt, angeschlossen werden und in Betrieb gehen. Allerdings ist das Ausbaustück auf der Ratinger Straße nur etwa 850 Meter lang (etwa zwischen Angerweg und Werkerwald), die Serpentinen hinunter zur Hofermühle bleiben natürlich erhalten.

Außer an der Ratinger Straße arbeitet Straßen NRW seit Monaten an mehreren Fronten. Ganz im Osten ist der Anschluss an das bereits bestehende Teilstück der A44 von Velbert nach Essen im Ansatz bereits geschafft. Natürlich fließt hier noch kein Verkehr, aber hier geht es, für alle Autofahrer auf der B227 zwischen Heiligenhaus und Velbert sichtbar, zügig voran. Fast im Verborgenen wird dagegen auf der Verbindung zwischen den beiden künftigen Anschlussstellen gebaut. Lediglich Spaziergänger am Hang des Angertals können den Baufortschritt beobachten. Und der ist beträchtlich. Auf einem zwei Kilometer langen, relativ unkomplizierten Teilstück kann, wenn das Wetter mitspielt, in den nächsten Monaten bereits Asphalt aufgetragen werden, hofft Bauleiter Wüllner.

Zwei Brücken über die Autobahn sind bereits mehr oder weniger fertiggestellt. Wegen der Asphaltbefestigung sind diese aber in der nächsten Woche vom 13. bis 17. Oktober gesperrt, wie Straßen NRW mitteilt. Da die Wülfrather und die Heidestraße in diesem Bereich aber nur Feldwege für den Anliegerverkehr sind, hat es auf den Durchgangsverkehr keine Auswirkung.

Andere Abschnitte der A44 sind wesentlich schwieriger zu bauen, vor allem diejenigen, auf denen die Autobahn selbst über Brücken geführt wird. Es wird elf Brücken geben, darunter fünf größere Talquerungen. 1,5 Kilometer der neuen Autobahn verlaufen über Brücken. Aber auch hier kommen die Straßenbauer voran. Eine der größten im Bereich Ganslandsiepen im östlichen Trassenteil ist fast fertig gebaut, eine weitere über das Laubecker Bachtal wird angegangen. In diesen Tagen wurde der Anfahrtsweg vom östlichen Ausbauende zum Laubecker Bachtal vergeben.

Die anspruchsvollste Brücke bleibt dagegen vorläufig außen vor. Das Bauwerk, das sich einst über die Anger spannen wird, ist mit 391 Metern nicht nur das längste des gesamten Lückenschlussprojektes; es wird dazu in sehr sensibler Landschaft gebaut – über dem geschützten Angertal und nicht weit von der kleinen Wohnsiedlung gegenüber der Heiligenhauser Kläranlage. Da steht indes noch der nachgebesserte Planfeststellungsbeschluss zur Entwässerung bevor.

Immerhin: Finanziell dürfte das Projekt auf der sicheren Seite sein. Wie die CDU-Abgeordneten Peter Beyer (Bundestag) und Dr. Wilhelm Droste (Landtag) gestern in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten, stehen 222,48 Millionen Euro „unverändert zur Verfügung“. Ursprünglich war der Lückenschluss mit 130 Millionen Euro kalkuliert worden.


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