"Materplan Kita-Bau"
Ratingen braucht neue Kitas in allen Stadtteilen – wie ist der Stand?
Waldkindergarten am Blauen See?
Ratingen. Ratinger Eltern müssen ab nächstes Jahr deutlich weniger Kita-Beiträge bezahlen – jedenfalls diejenigen, deren Sprösslinge im vorletzten Kindergartenjahr sind. Der Rat der Stadt gibt sich in dieser Frage ausgesprochen familienfreundlich. Wie aber sieht es mit der Versorgung aus? Findet sich für jedes Ratinger Kind ein Kita-Platz? Im Großen und Ganzen ja, aber nicht immer in unmittelbarer Nähe. Und es wird enger, weshalb die Stadt schon grundsätzlich den Bau von mindestens sechs neuen Kindergärten beschlossen hat. Jetzt hat die Verwaltung einen Überblick über den Planungsstand herausgegeben. Und es gibt ständig neue Entwicklungen. Einige sind hochinteressant.

Der „Masterplan Kita-Bau“ sieht neue Einrichtungen in Tiefenbroich, West, Hösel, Breitscheid, Lintorf und Ratingen-Mitte vor. Am dringendsten ist es in Tiefenbroich, wo der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nur deshalb noch mit Ach und Krach erfüllt werden kann, weil Tiefenbroich und West ein gemeinsamer Planungsraum sind. Für den Stadtteil selbst reichen die beiden bestehenden Einrichtungen der Kirchengemeinden bei weitem nicht mehr aus. Ausgerechnet in Tiefenbroich ist die Verwaltung aber noch nicht allzu weit. Es fehlt noch das passende Grundstück, weshalb die Stadt den Fertigstellungstermin offen lassen muss. Das heißt, es gibt schon eine geeignete Fläche (oder vielleicht auch zwei), aber die gehören dummerweise nicht der Stadt. Da laufen Verhandlungen.

West: Container-Kita für den Übergang

Bis vor kurzem sah die Situation in West deutlich besser aus, doch das ist vorbei. Auch dort muss ein neuer Kindergarten her, und da steht auch schon fest, wohin er kommt: in den zentralen Grünzug des Stadtteils am Ende der Liebigstraße. Das B-Plan-Verfahren läuft, größere Schwierigkeiten werden nicht erwartet. Dennoch wird es mindestens bis 2021 dauern, ehe dort Kinder betreut werden. Das ist zu spät, weshalb die Stadt als Interimslösung eine viergruppige Container-Kita gleich neben der bestehenden Einrichtung an der Gothaer Straße errichten will. Die wäre schon im Sommer 2019 einsatzbereit.
In Lintorf wird an der Brandsheide eine fünfgruppige Kita gebaut. Bei perfektem Verlauf könnte sie laut Verwaltung „2020/2021“ fertig sein. Eventuell will man hier an einen Generalunternehmer vergeben.

Vieles ungeklärt in Hösel und Breitscheid

In Hösel würde die neue Kita im Neubaugebiet Goldkuhle entstehen. Hier wird aber noch aufwändig entwickelt, es gibt ungeklärte Fragen, und am Ende müsste auch verhandelt werden, wer welche Kosten übernimmt. Da das noch ziemlich viele offene Fragen sind, wagt die Verwaltung auch keine Prognose über den Zeitpunkt der Fertigstellung. Im selben Planungsraum liegt auch die schnuckelige Kita am Schluchtor in Eggerscheidt, die noch vor einigen Jahren gar geschlossen werden sollte, nun aber bis 2021 von 1,5 auf drei Gruppen erweitert wird.

Breitscheid braucht auch eine neue Kita, aber bislang konnte die Stadt noch kein Grundstück finden. Immerhin: In einem Jahr soll der bestehende Kindergarten am Mintarder Weg eine zusätzliche Gruppe erhalten.

Homberg ist im Prinzip ganz gut versorgt und braucht eigentlich keine zusätzlichen Plätze. Aber dort, an der Mozartstraße, hat die Stadt nun einmal eine Immobilie, die vor nicht allzu langer Zeit ein Kindergarten war, dann als Flüchtlingsunterkunft und Kunstatelier genutzt wurde und nun, in der Not, mit vergleichsweise wenig Aufwand, reaktiviert werden kann. Der Hauptzweck besteht darin, ab nächstes oder übernächstes Jahr die Kinder von der evangelischen Kita an der Dorfstraße aufzunehmen. Die muss nämlich neu gebaut werden, und während der Bauzeit müssen die Kinder woanders untergebracht werden. Fertigstellung für die Dorfstraße: 2021. Auch danach könnte die Mozartstraße gewissermaßen als gesamtstädtische Reserve dienen.

BU: Krumbachskothen als Dauerlösung

Die Frage ist allerdings, ob das nötig sein wird, denn in Ratingen-Mitte ist in den letzten Monaten einiges in Bewegung geraten, was die Situation entspannen könnte. Grundsätzlich braucht Mitte eine neue Kita. Die wollte die Verwaltung ursprünglich an der Talstraße/An der Lilie bauen, aber die Ratsmehrheit verfolgt bekanntlich andere Pläne für den alten Sportplatz. CDU und Bürger-Union brachten den Standort Schwarzbachstraße (neben dem Sportplatz) ins Gespräch, nun scheint auch die Plättchesheide im Rennen zu sein. Welcher Standort auch immer es wird: Vor 2022 wird diese Kita bestimmt nicht fertig.

Unter Umständen ist das aber auch nicht so eilig. Denn zurzeit steht ein Provisorium kurz vor dem Abschluss. Im Neubau am Krumbachskothen wird in wenigen Wochen eine Interimskita zur Verfügung stehen. Das Gebäude wurde als Flüchtlingsunterkunft geplant, doch hat sich die Situation so entspannt, dass die Stadt es für diesen Zweck gar nicht dringend braucht. Aufgeben möchte die Verwaltung den Unterkunftszweck aber nicht, man weiß ja nie… Den unmittelbaren Anlass für die zwischenzeitliche Kindergartennutzung bot eine Riesenpanne beim Bau der Kita im Calor-Carré vor einigen Jahren. Dort gerieten Treppen und Türen zu schmal, was von der Unfallkasse moniert und nun mit Riesenaufwand repariert werden muss. Während der Arbeiten ziehen die Kinder zum Krumbachskothen.

Danach wollte die Verwaltung das Provisorium zurückbauen. Nun beantragt aber die Bürger-Union, das Gebäude weiter als Kindergarten zu nutzen. „Wir versprechen uns davon eine spürbare Verbesserung der Versorgungsquoten im U3- sowie Ü3-Bereich mit minimalem finanziellem Aufwand“, heißt es in dem BU-Antrag.

Gleichzeitig eröffnen sich ganz in der Nähe weitere Perspektiven. Am Eutelisplatz gibt es ja schon seit Jahren den privaten Kindergarten „Westhäkchen“, der seinerzeit vor allem für die vielen in der Nachbarschaft arbeitenden Vodafone-Angestellten eingerichtet wurde. Der Kindergarten liegt im Erdgeschoss, daneben gibt es Firmenbüros, und die Etagen darüber dienen noch als Ausweichquartier für die Stadtverwaltung während des Rathaus-Neubaus. Spätestens Ende Februar 2019 zieht der Verwaltungstross aus, und der Kita-Träger will gern auf fünf Gruppen expandieren. Das Jugendamt ist sehr aufgeschlossen, im Herbst 2019 könnte es so weit sein.

CDU: Lernen in der Natur ist gut für Kinder

Und schließlich kommt noch die CDU um die Ecke mit einer Idee, die zumindest auf den ersten Blick so naheliegend ist, dass man sich wundert, warum noch niemand darauf gekommen ist: einen Waldkindergarten am Blauen See. Waldkindergärten sind ziemlich in Mode, bieten sie doch die Möglichkeit, Kinder im Einklang mit der Natur und mit viel Bewegung an der frischen Luft zu betreuen. „Das „ganzheitliche elementare Lernen in der Natur und im Wald ist für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung der Kinder sehr förderlich“, schreibt die CDU. Nun werden ohnehin Pläne für eine Neugestaltung des Areals am Blauen See geschmiedet. Es wird zum einen darum gehen, wie die bestehenden Freizeitangebote attraktiv integriert werden können, zum anderen hat der Rat aber auch die Planung eines Umweltbildungszentrums beschlossen. Und gerade hier sieht die CDU Anknüpfungspunkte für einen Waldkindergarten. Hier wird abzuwarten sein, ob sich die Idee konkretisiert. Eine schnelle Fertigstellung ist eher nicht zu erwarten.


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