Aufgespießt
Die Deutsche Bahn kommt nicht in die Puschen, Bürgermeister Pesch will nicht länger warten
Wenig Hoffnung für S-Bahnhof Hösel
Hösel. Die Deutsche Bahn AG hat zurzeit zweifellos größere Sorgen als die Modernisierung des S-Bahnhofes Hösel. Weshalb sie zwar den Anschein zu erwecken versucht, dass sie daran arbeite, die im Sommer ausgefallene Baumaßnahme schnell nachzuholen. In Wirklichkeit glaubt jedoch kaum jemand, dass die Bahn es ernst meint mit der Eile. Bürgermeister Klaus Pesch will jedenfalls nicht länger warten und den neuen Busbahnhof in Hösel schon bauen, egal, was die Bahn macht.

Ursprünglich wollten Bahn und Stadt Hand in Hand arbeiten. Die Bahn erhöht und versetzt die Bahnsteige, baut Aufzüge ein etc., die Stadt macht den Vorplatz, errichtet beispielsweise die neue Buswendeanlage unter der Brücke. Bindeglied der beiden Maßnahmen ist der Kombibahnsteig, der zugleich als Bushaltestelle dient.

Die Sommerferien 2018 waren für die Maßnahmen fest eingeplant, doch dann fand die Deutsche Bahn keinen Bieter auf ihre Ausschreibung. Die anderen Maßnahmen, die man aus Synergiegründen zeitgleich mit der Stationsmodernisierung angesetzt hatte (Gleiserneuerung in Kettwig etc.) wurden durchgeführt, der Bahnhof Hösel blieb schmuddelig und nicht barrierefrei, wie die Fahrgäste ihn seit vielen Jahren kennen und nicht schätzen.

Pendler waren sauer, Politiker auch, darunter auch einige mit guten Kontakten in höchste Kreise. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Wilhelm Droste, wohnhaft in Hösel, schrieb sogleich NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst an, doch offenbar konnte auch der „liebe Hendrik“ nicht viel ausrichten. Claudia Schlottmann aus Hilden, gewissermaßen Drostes Nachfolgerin als CDU-Landtagsabgeordnete mit Ratingen-Zuständigkeit, ließ im Juli verlauten, dass sie den Bahn-Bevollmächtigten für NRW, Lübberink, auf das Problem aufmerksam gemacht habe. Ende August teilte Frau Schlottmann mit, dass sie an der Sache „dran bleibt“ und Lübberink nochmals auf Hösel angesprochen habe. Im September meldete sich die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Kerstin Griese, SPD und wohnhaft in Hösel, öffentlich zu Wort und erinnerte daran, dass die Bahnhofsmodernisierung „dringend“ sei.

Vor ein paar Tagen nun schickte die Stadt eine Pressemitteilung raus. Bürgermeister Pesch war noch eine Etage höher gegangen und hatte sich an Bahn-Vorstand Pofalla gewandt. Die Antwort kam dann von der DB Station & Service AG, und sie ist ein Musterbeispiel für kaum kaschiertes Abwimmeln: Man wolle „kurzfristig in einem gemeinsamen Abstimmungstermin nach einer Lösung suchen“. Da fragt sich der ratlose Betrachter: Was genau will man da eigentlich noch suchen? Die Sache ist doch sonnenklar: Die Bahn muss den Bahnhof modernisieren, und sie hat dafür auch schon exakte Pläne. Und die Stadt macht den Vorplatz, auch dafür liegen längst fertige Pläne vor.

Pesch scheint die Botschaft verstanden zu haben. Unabhängig vom „gemeinsamen Abstimmungstermin“ werde die Stadt loslegen. Noch in diesem Jahr soll ausgeschrieben, nächstes Jahr gebaut werden. Das lässt nichts Gutes für die DB-Maßnahme erwarten. es


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