Hohe Investition
Die Ratingen-App soll für einen sechsstelligen Betrag verbessert werden
Mit den Kunden kommunizieren
Ratingen. In der digitalen Welt auf der Höhe der Zeit zu bleiben, das kann mitunter recht kostspielig sein. Die Ratingen-App soll dennoch mit dem hohen Innovationstempo so gut sie kann Schritt halten, vor allem, um den Ratinger Einzelhandel zu stärken. Deshalb stimmten die Ratspolitiker Dienstag für ihre Erweiterung. Allerdings unter der Bedingung, dass das Land die Hälfte des Updates mitfinanziert.

In rund 30 Kategorien hält die 2016 eingeführte App nützliche Infos für viele Lebenslagen bereit – vom Abfallkalender über ein Branchenverzeichnis mit Produktsuche bis zur „Katastrophen-App“ NINA reicht das Angebot. Nach einem umfassenden Update 2017 soll „Ratingen APPsolut“ in rund anderthalb Jahren durch vier Maßnahmen „kommunikativ und mobil noch näher an den Kunden rücken“. So formulieren das die für die App verantwortliche Ratingen Marketing GmbH (RMG) und ihr Partner, die IFH Köln GmbH, in ihrem Projektantrag „Customer Journey 2.0“. Damit beteiligen sie sich an dem Wettbewerb „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken/Digitalisierung im Handel jetzt umsetzen!“

Die Teilnahme könnte sich durchaus lohnen, denn die Landesregierung macht erhebliche Mittel locker: So fördert sie im Erfolgsfall 50 Prozent der Projektkosten mit bis zu 200 000 Euro. Und genau diese Förderung ist es, die die Ratinger Politiker zur Voraussetzung dafür machen, dass sie aus dem Stadtsäckel die zweite Hälfte für das neuerliche App-Update finanzieren. Die geschätzten Kosten dafür liegen immerhin bei knapp 300 000 Euro.

Was ist dafür geplant? Hauptbestandteil der Erweiterung soll ein sogenannter „Kommunikationskanal“ werden. Per Chat können sich darüber Kunden von Händlern beraten lassen, abfragen, ob bestimmte Artikel vorrätig sind, oder direkt Waren und Dienstleistungen beziehen. Auch die Übermittlung von Fotos ist möglich. Damit soll der stationäre Einzelhandel besser an den mehr und mehr online konsumierenden Kunden angebunden werden. Außerdem soll die Erweiterung das kontakt- und bargeldlose Bezahlen beim Parken in der City ermöglichen. Zwei weitere Funktionen – die Einführung einer „Cash-Back-Treue-Karte“ und die Digitalisierung der beliebten Einkaufsgutscheine („DummeklemmerCards“) – sollen die Kunden darüber hinaus noch stärker an den Einkaufsstandort Ratingen binden.

Eine zusätzliche Funktion würde die Bürger-Union gerne in die App einbinden lassen: Eine sogenannte Müll-App, mit der die Bürger die Verwaltung auf kurzem Wege über wilde Müllkipppen oder überfüllte Container und Müllbehälter informieren könnten. Andere Kommunen hätten damit gute Erfahrungen gemacht, schreiben Rainer Vogt und Robert Ellenbeck in ihrem Antrag. Als Beispiel nennen sie Düsseldorf, wo gerade die Aktion „Wir bleiben sauber“ mit großem PR-Aufwand gestartet wurde. Innerhalb 24 Stunden nach der Meldung sollen Schmutzecken dort künftig beseitigt sein, verspricht die Verwaltung. Ein ambitioniertes Ziel!

Warum aber bedarf es für diesen Service unbedingt einer Extra-App? Schließlich gibt es schon jetzt - etwa telefonisch, über die Bürgerkarte oder das entsprechende Internetformular - Wege, um der Stadt Verschmutzungen zu melden. Diese Frage beantwortet die BU mit dem digitalen Mehrwert einer solchen Müll-App: So könnten Nutzer ganz einfach Fotos übermitteln, statt umständlich den Sachverhalt zu schildern. Und umgekehrt habe die Fachverwaltung den Vorteil, dass sie per GPS-Funktion sofort den genauen Ort des Misstands kenne. Aber braucht man dafür eine spezielle Funktion auf der Ratinen-App? Das geht doch auch über What’s-app? Die Deutsche Bahn macht es schon so. tz


Zurück