Grundstückskauf ermöglicht Planung aus einem Guss an der Wallstraße
Tiefgarage kann fast ohne Eingriff in den Baumbestand gebaut werden
Pesch: Der Weg für die Ideallösung ist frei
Von Egon Schuster

Ratingen. Die Stadt hat einen Durchbruch für die Neuplanung der Flächen an der Wallstraße vom Hertiehaus bis zum Beamtengässchen erzielt. Durch den Erwerb eines Grundstücks, der Anfang dieser Woche vollzogen wurde, ist der Weg frei für die Ideallösung. „Wir können jetzt eine großzügige Tiefgarage errichten, ohne in den bestehenden Park am Beamtengässchen einzugreifen“, sagte Bürgermeister Klaus Pesch bei einem Ortstermin. Die drei Projekte Neubau Hertiehaus, Mehrgenerationenpark Wallstraße und Tiefgarage verschmelzen somit zu einem Großprojekt und können aus einem Guss realisiert werden.

Vor allem die Tiefgarage ist im Rat der Stadt heftig umstritten. CDU und Bürger-Union wollen sie unbedingt, die SPD und die Grünen lehnen sie bislang ebenso vehement ab, und zwar aus zwei Gründen. Erstens bezweifeln die beiden Fraktionen grundsätzlich die Notwendigkeit. Sie sagen, es gebe genug Parkplätze in der Innenstadt. Zweitens war in der ursprünglichen Planung eine Verbindung mit dem geplanten Neubau der Ratinger Wohnungsgenossenschaft an der Hans-Böckler-Straße vorgesehen. Und das wäre ohne einen kräftigen Eingriff in den kleinen Park am Beamtengässchen nicht gegangen. Zwar hätte er anschließend wieder aufgebaut werden sollen, aber der Flurschaden wäre erst einmal da gewesen.

Diese Variante ist nun vom Tisch. Die Tiefgarage entsteht unter der Wildwiese entlang der Wallstraße, wo früher die Häuserreihe stand, die langsam im ehemaligen Stadtgraben versank. Ein Haus steht noch, das gehört inzwischen aber auch der Stadt und soll abgerissen werden. Und schließlich gab es noch ein kleines Privatgrundstück, das der neuen Planung im Weg stand. Deshalb sei er auch nicht sehr optimistisch gewesen, als ihm Planungsdezernent Jochen Kral vor einigen Monaten die Idee vorstellte, gestand Pesch. Das Problem: Die Stadt hätte nicht ewig warten können, denn eine Verzahnung mit dem Hertiehaus-Projekt erschien zwingend. Nun ist dieses Hindernis durch den Kauf weggeräumt.

Geboren wurde die Idee, als im letzten Jahr Testgrabungen in der Wallstraße durchgeführt wurden, um nach Relikten der alten Stadtmauer zu suchen. Das Ergebnis war für die Überplanung doppelt positiv, so Kral. Erstens war das, was gefunden wurde, zum überwiegenden Teil nicht die Original-Stadtmauer, sondern aus Bruchsteinen errichtete Abgrenzungsmauern. Zweitens liegt alles unter der Fahrbahn der Wallstraße. Der Denkmalschutz kommt der Tiefgarage also nicht in die Quere.

Geplant ist Folgendes: Unter dem neuen „Hertie-Haus“, das sich in aufgelockerter Bebauung von der Düsseldorfer Straße bis zum „Garten der Sinne“ erstreckt, wird es ohnehin eine objektbezogene Tiefgarage mit 140 Stellplätzen geben. Daran anschließend und unterirdisch verbunden entsteht die städtische Tiefgarage mit zwei Ebenen und 182 Stellplätzen. Die Haupteinfahrt für beide wird sich an der Wallstraße kurz vor dem Garten der Sinne befinden. Eine zweite Einfahrt hauptsächlich für die Hertie-Garage entsteht am Düsseldorfer Platz. Und dorthin wird auch die einzige Ausfahrt geplant. „Wir wollen keinen abfließenden Verkehr in der Wallstraße haben, der sich erst durch die halbe Innenstadt wälzen muss, bis er in die gewünschte Richtung abbiegen kann“, sagte Kral.

Die Garage soll drei Ausgänge haben, einen zum Hertie-Haus, einen zweiten im hinteren Bereich und den Hauptein- und –ausgang mit Aufzug an der Wallstraße, Ecke Beamtengässchen. „Von hier aus ist die Fußgängerzone optimal erschlossen“, sagte Pesch. Der Deckel wird begrünt und als Erweiterung des Mehrgenerationenparks gestaltet. Martin Gentzsch, als Dezernent für Grünflächen zuständig, präsentierte erste Skizzen. Der besondere Clou werde darin bestehen, dass der Verlauf der Stadtmauer und des Stadtgrabens an dieser Stelle gestalterisch aufgegriffen werden. Die Originalmauer kann natürlich nicht freigelegt werden, weil es sie ja, wie gesagt, streng genommen gar nicht mehr gibt und die gefundenen Reste unmittelbar unter der Wallstraße liegen. Es werde eine Andeutung sein, so Gentzsch, ob historisierend oder modern, sei noch nicht ausgemacht. Und natürlich auch nicht in Originalhöhe: Man soll darauf sitzen können. Darüber hinaus wird das Gelände auf dem künftigen Tiefgaragendeckel kräftig modelliert werden, denn man will ja auch den Stadtgraben andeuten.

Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass die Wallstraße spürbar breiter werden soll, damit man den Radverkehr gegen die Einbahnrichtung sicher führen und auch die extrem schmalen Bürgersteige verbreitern kann. In den bestehenden Baumbestand in diesem Bereich müsse fast nicht eingegriffen werden. Einige wenige Gehölze, die im unmittelbaren Randbereich der Tiefgaragenbaustelle stehen, werden betroffen sein, „aber keiner von den beliebten Kletterbäumen“, so Kral.

Der Zeitplan hängt entscheidend mit davon ab, wie die Firma Tecklenburg mit dem Hertie-Haus vorankommt. Aber da besteht ja der erklärte Wille, richtig Gas zu geben, Fertigstellung im Frühjahr 2021. Die Stadt würde das Hertie-Haus gern schon Ende dieses Jahres abreißen lassen, das hängt aber davon ab, ob die Maßnahme wie erhofft vom Land bezuschusst wird. Die Gestaltung des Mehrgenerationenparks wird aktuell auf 1,2 Millionen Euro taxiert, wobei die Stadt auch hier hofft, die Hälfte gefördert zu bekommen. Die Tiefgarage wird deutlich teurer, vier, fünf Millionen. Eine seriöse Schätzung ist in diesem Stadium nicht möglich. „Das kann man aber nicht betriebswirtschaftlich kalkulieren“, sagte Pesch. „Hier zählt der Gewinn für die Innenstadt, und der ist in dieser Variante gewaltig.“


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