Die Waldgemeinde feiert ab Samstag ihr 800-jähriges Jubiläum
Ein Jazz-Konzert mit den „Echoes of Swing“ bildet den Höhe- und Schlusspunkt
Heimat ist die Überschrift über der Höseler Festwoche
Von Thomas Zimmermann

Ratingen-Hösel. Der Knabenchor singt, Staatssekretär Heinisch kommt zur Podiumsdiskussion, das Oberschlesische Landesmuseum lädt zum gemeinsamen Tag der offenen Tür unter dem Motto „Wir in Hösel!“ ein und als Sahnehäubchen gibt es einen exquisiten Jazz-Empfang im Bankettsaal des Landhotels Krummenweg: Das sind nur vier Eckpunkte der Festwoche, mit der die Höseler ab kommenden Samstag ihr 800-jähriges Stadtteil-Jubiläum feiern. Aber natürlich tun die Bewohner der Waldgemeinde das nicht ohne ihr heiß und innig geliebtes Wappentier – das Hösel-Reh! Gleich 33 Exemplare, die Höseler Organisationen kreativ gestaltet haben, werden am Samstag, 7. Juli, ab 12.30 Uhr und ab 14.30 Uhr im Landesmuseum, Bahnhofstraße 62, versteigert. Mit dem Erlös der beiden Auktionen werden Sitzbänke für den Stadtteil gekauft.

Sitzgelegenheiten anzuschaffen, die zum Verweilen einladen – das sei eine Idee, die hervorragend zum Hösel-Jubiläum passt, findet Dr. Susanne Peters-Schildgen. Und die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Oberschlesischen Landesmuseums (OSLM) kann auch gut begründen, warum. „Gerade heutzutage, wo man sich in Sekundenschnelle mit der ganzen Welt verbinden kann, ist es für die Menschen besonders wichtig, einen Stadtteil zu haben, in dem sie sich verorten und mit dem sie sich identifizieren können“, erklärt sie. Weil dieser Wunsch, sich in der Ortsgemeinschaft heimisch zu fühlen, immer größer wird, haben die Organisatoren der Festwoche das Thema Heimat als Überschrift für ihr Jubiläumsprogramm gewählt. Ein Thema, mit dem sich Dr. Peters-Schildgen und ihr Chef, Museumsdirektor Dr. Stephan Kaiser, natürlich bestens auskennen, denn kaum irgendwo hat man sich mehr und intensiver mit dem Thema Heimat auseinandergesetzt als gerade im Oberschlesischen Landesmuseum.

Aber warum erlebt der Heimatbegriff derzeit eine solche Konjunktur? Wieso entstehen allerorten Heimatministerien? Und was hat das mit dem Lebensgefühl der Höseler und ihrem Stadtteil-Jubiläum zu tun? Antworten auf diese Fragen geben am Mittwoch, 4. Juli, ab 19 Uhr Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Prof. em. Dr. Hermann Strasser sowie der Vorsitzende des Ratinger Heimatvereins, Michael Lumer und Dr. Stephan Kaiser als Gastgeber im OSLM. Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Edzard Traumann vom mitveranstaltenden Kulturkreis Hösel. Der Eintritt ist frei.

Einen bunteren Blick auf „Hösel – meine Heimat“ zeigen unterdessen Viertklässler der Wilhelm-Busch-Grundschule in der gleichnamigen Ausstellung auf der ersten Etage des Landesmuseums. In einer Mischform aus Landkarte und Mind Map haben die Schüler ihre Lieblingsorte im Stadtteil dargestellt – wobei auffällt, dass die jungen Künstler - trotz aller individueller Unterschiede - fast durchgängig Spiel- und Sportplätze in ihren Übersichten verzeichnet haben. Ergänzt werden ihre Bilder durch ein Graffiti des Höseler Jugendclubs sowie durch Fotos aus der Sammlung von Helmut Kuwertz. Einige der historischen Aufnahmen des Heimatforschers hängen inzwischen auch als DIN-A1-Plakate an ausgewählten Standorten in Hösel. „Sie sollen verdeutlichen, was für einen rasanten Wandel der Stadtteil erlebt hat“, erklärt Dr. Susanne Peters-Schildgen. Schließlich sei Hösel noch bis vor wenigen Jahrzehnten ein Erholungsort mit bäuerlichem Charakter gewesen.

Einen lebendigen Querschnitt des gegenwärtigen Hösels können Besucher dann beim gemeinsamen Tag der offenen Tür erleben. Dass das Landesmuseum dafür seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, findet Dr. Stephan Kaiser ganz selbstverständlich. Der Museumsdirektor hat sich von Anfang an an den Vorbereitungen für das Jubiläumsprogramm beteiligt und sich mit Vereinen, Schulen und anderen Organisationen des Stadtteils vernetzt. Entsprechend groß ist die Vielfalt, die er in seinem Haus am Samstag, 7. Juli, von 11 bis 17 Uhr präsentieren kann: Die Feuerwehr zerschneidet ein Auto, der TV Hösel lädt zum Purzelbaum-Weltrekordversuch ein und ein Spielepavillon für Kinder wird aufgebaut. Außerdem sind der Förderverein der Wilhelm-Busch-Schule und die mobile Waldschule mit Infoständen vertreten. Dazu gibt es Leckereien und die Jazzband der Folkwang-Universität, die der Höseler Kulturverein sponsert, spielt auf. Besonders Neugierige können sogar schon vorab einen Blick in die neue OSLM-Ausstellung „Schaukelpferd und Zinnsoldaten - Kindheit und Jugend in Schlesien“ werfen. Offiziell eröffnet wird die Schau aber erst am darauffolgenden Sonntag.

Apropos darauffolgender Sonntag: In puncto Jazz spielt der Kulturverein Hösel seinen ganz großen Trumpf nämlich ebenfalls erst am 8. Juli aus. Für das Festkonzert, das um 11 Uhr im Bankettsaal des Landhotels Krummenweg beginnt, hat der Verein die exquisite Jazzband „Echoes of Swing“ gewinnen können. Karten für diesen musikalischen und gesellschaftlichen Höhepunkt des Jubiläumsprogramms gibt es für 20 Euro bei der Buchhandlung Schlüter im Höselcenter. Jugendliche zahlen die Hälfte.

Eingeläutet wird die Festwoche aber schon am kommenden Sonntag, 1. Juli, um 15 Uhr mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Adolf-Clarenbach-Kirche, den der Knabenchor Hösel künstlerisch untermalt. Beim anschließenden Empfang im evangelischen Gemeindehaus wird auch die Reh-Auktion noch einmal erläutert. Drei Sommerfeste, am Samstag, 30. Juni, in der Geschwister-Gerhard-Stiftung anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens, und am Freitag, 6. Juli, in der Wilhelm-Busch-Grundschule (jeweils ab 14 Uhr) sowie am Samstag, 7. Juli, von 11 bis 17 Uhr im katholischen Kindergarten, komplettieren das Jubiläumsprogramm.


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