Nicht schnell genug abbaubar
Kompostierungsanlage investiert wegen Störstoffen viel Geld in Abtrenntechnik
„Bio-Plastik“ muss raus
Ratingen-Breitscheid. Das wäre doch mal eine interessante 16 000-Euro-Frage für den Quiz-Dauerbrenner „Wer wird Millionär?“ In welcher Wirtschaftssparte wird Störstoff-Abtrenntechnik eingesetzt? Richtige Antwort: In der Entsorgungswirtschaft, und zwar bei der Müllsortierung. Sehr wichtig ist eine solche Technik zum Beispiel in der Großkompostierungsanlage der KDM in Breitscheid. Die hat gerade „eine hohe sechsstellige Summe“ in neue Technik investiert und diese kürzlich den Landwirten aus der Region vorgestellt.

Unter Störstoffen versteht die Branche all das, was sich nicht zielgerecht verwerten lässt, aber trotzdem in dem angelieferten Abfall dabei ist und zunächst aussortiert werden muss. In einer Kompostierungsanlage ist folglich alles Störstoff, was nicht biologisch abbaubar ist. Und dazu noch einiges mehr. So macht der KDM ausgerechnet ein Stoff zu schaffen, der zunächst ökologisch korrekt klingt: so genannte „kompostierbare Bio-Plastiktüten“. Die werden von vielen Bürgern in gutem Glauben in die braune Tonne geworfen – und müssen am Lintorfer Weg mühsam aussortiert werden, bevor es auf die Rotte geht. Deshalb musste die KDM tief in die Tasche greifen, um das Zeug herauszufiltern.

Aus dem Inhalt der Biotonne entsteht bei der KDM (Kompostierungs- und Vermarktungsgesellschaft für Stadt Düsseldorf und Kreis Mettmann mbH) „ein wichtiger gütegesicherter Dünger für die Landwirtschaft und den Anbau von Lebensmitteln“, heißt es in einer Mitteilung der KDM. Die Aufbereitung werde aber immer aufwendiger, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Harald Schlenger, denn die nicht kompostierbaren Anteile in der Biotonne nähmen stark zu. Vor allem das so genannte „Bio-Plastik“ sei ein Problem, denn es wird in der Anlage in Breitscheid nicht vollständig kompostiert. Dadurch können Folienanteile in das wertvolle Enderzeugnis gelangen. (Papiertüten machen übrigens keine Probleme.)

Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an die Sauberkeit des Kompostes. Daher habe man sich zum Handeln gezwungen gesehen, sagte der technische Geschäftsführer des Unternehmens, Ulrich Laemers. Seit einigen Wochen ist eine moderne Störstoff-Abtrennung durch Nahinfrarot-Technik im Ratinger Kompostwerk in Betrieb. Das Unternehmen investierte eine hohe sechsstellige Summe in dieses Trennverfahren, welches bis heute europaweit einzigartig in der Kompostbranche ist.
Wer sich für die Kompostierungsprozesse in Breitscheid interessiert, kann am 12. September an einer von der Volkshochschule Ratingen durchgeführten Werksführung teilnehmen. Das VHS-Programm für das zweite Semester 2018 erscheint am 5. Juli. es



Zurück