Stadtwerke Ratingen GmbH
Versorger reagiert auf Kritik an dem neuen Trinkwassertarif
Zufrieden trotz Beschwerden
Ratingen. Die Stadtwerke Ratingen geben sich zufrieden damit, wie die weit überwiegende Mehrheit ihrer Kunden die Umstellung auf die neuen Preise für Trinkwasser aufgenommen hat. Lediglich 30 Rückmeldungen mit Beschwerdecharakter habe sein Unternehmen bekommen, erklärte Vertriebsleiter Frank Schlosser auf einem Pressegespräch, zu dem der Versorger am Dienstag eingeladen hatte. Angesichts von über 16 400 Kunden, die die Stadtwerke Mitte Mai mit einem Schreiben über die Änderung informiert hatten, seien das weniger als 0,2 Prozent. Und das, obwohl Wenigverbraucher durch die neue Kombination aus Fix- und Mengenpreis in der Regel stärker zur Kasse gebeten werden. Einige hatte das sehr verärgert (das Ratinger Wochenblatt berichtete). Aber auch die Ratinger Umweltschutzorganisation BUND, der Geschäftsführer von „Haus und Grund Düsseldorf“, Dr. Jürgen Fliescher, und der Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion, Herrmann Pöhling, hatten sich öffentlich kritisch zu den neuen Wasserpreisen geäußert.

Dass es einiger Geduld bedarf, um Kunden, die jetzt mehr bezahlen, von der Notwendigkeit und der größeren Gerechtigkeit der neuen Trinkwassertarife zu überzeugen, hat Frank Schlosser unlängst beim Seniorenrat erlebt. Auf Einladung des Gremiums hatte er sich gewissermaßen in die „Höhle des Löwen“ gewagt, denn sein Publikum bestand fast ausschließlich aus den jetzt stärker belasteten Wenigverbrauchern. Erst am Ende seines Besuchs, so Schlossers Eindruck, habe er Verständnis dafür wecken können, dass die Stadtwerke auf die fixe monatliche Pauschale für jede Wohneinheit mit Wasseranschluss angewiesen sind. „Nur dadurch können wir nachhaltig planen und kontinuierlich in die Pflege und Modernisierung der Infrastruktur investieren, die allen Verbrauchern zugutekommt“, betonte er.

Andreas Lammert, Vorsitzender der Ratinger Ortsgruppe des BUND, kritisiert den neuen Tarif gleichwohl als „umweltpolitisch unsinnig“. „Dieses System belohnt Vielverbraucher und bestraft diejenigen, die wenig Wasser verbrauchen, sparsam mit Wasser umgehen, etwa Regenwasser zum Gießen sammeln“, schreibt er in seiner Stellungnahme. Dass durch die neue Berechnung kein Anreiz mehr zum Wassersparen bestehe, beklagt auch „Haus-und-Grund“-Vorstand Dr. Jürgen Fliescher. „Die in den letzten Jahren getätigten umfangreichen Investitionen der Bürger in wassersparende Armaturen und sparsame Wasch- und Spülmaschinen werden so konterkariert“, schreibt er.

Doch das pauschale Spar-Argument ließ Siegfried Gendries von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) beim Pressegespräch so nicht gelten. „Hier haben wir genug Wasser“, erklärte der Experte. Er empfahl stattdessen „die Energie im Wasser“, also warmes Wasser, zu sparen. Das würde sich auch finanziell lohnen. Flieschers Vorwurf, Mieter würden gegenüber Gewerbetreibenden durch den neuen Tarif überproportional belastet, wiesen er und Frank Schlosser ebenfalls zurück. Da habe sich Fliescher schlicht verrechnet.

Dass der Rat - „im Gegensatz zu den letzten Preiserhöhungen 2012 und 2015“ – bei der Umstellung auf die neue Berechnungsgrundlage nicht gefragt wurde, ärgert schließlich Herrmann Pöhling von den Grünen. Es sei jedoch inzwischen „unüblich und nicht mehr zeitgemäß“, den Rat bei Preisänderungen zu befragen, erklärte Siegfried Gendries dazu. Dafür würden sich die Preise am Markt zu schnell ändern. Und Frank Schlosser ergänzte, dass genau aus diesem Grund auch der Gesellschaftervertrag verändert wurde. Seitdem müssten Tarifänderungen nur noch vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Dieses Gremium würde die Gesellschafter, also auch die Stadt und die Parteien, repräsentieren. Dennoch fühlt sich Pöhling unzureichend informiert. Der Fraktionsvorsitzende fordert, die Stadtwerke vor den Hauptausschuss zu zitieren, damit die Ratspolitiker über „die Hintergründe des neuen Abrechnungsmodells aufgeklärt werden“. tz



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