Museum Ratingen
Ausstellung „Von beiden Enden“ mit Werken von Paul Schwer
Zusammenspiel von Farbe, Licht und Raum
Ratingen. Ein Objekt, das der Künstler Paul Schwer geschaffen hat, ziert die Titelseite des 2011 erschienenen Bestandskatalogs des Museums Ratingen. „Mehr Schwer“ gibt es jetzt an gleicher Stelle: „Von beiden Enden“ lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken des Künstlers, die am morgigen Freitag, 29. Juni, eröffnet wird. Es sind weniger einzelne Objekte, die in den Erdgeschossräumen des Museums an der Grabenstraße zu sehen sind, es ist eher ein raumgreifendes Gesamtkunstwerk, in dem die Aspekte Farbe, Licht und Raum miteinander korrespondieren.

Oftmals ist es so, dass Ausstellungen durch verschiedene Museen „wandern“ – auch das Museum Ratingen hat von solchen Kooperationen schon profitiert. Ganz anders verhält es sich bei Paul Schwer: Zeitgleich zur Ratinger Schau ist im Museum Goch eine weitere Ausstellung mit seinen Werken zu sehen, die ebenfalls den Titel „Von beiden Enden“ trägt. Beide Präsentationen ergänzen sich, und auch der Katalog, der noch in Arbeit ist, wird die zwei Schauplätze berücksichtigen.
Eine weitere Parallele zwischen Ratingen und Goch ist die, dass in beiden Städten Kunst von Paul Schwer im öffentlichen Raum zu sehen war bzw. ist. In unserer Stadt stand genau vor einem Jahr eine Lichtskulptur des Künstlers vor dem Stadttheater. Während diese inzwischen abgebaut wurde, hat Paul Schwer für eine neues Wohnviertel in Goch eine Installation geschaffen, die dauerhaft dort bleiben wird. In beiden Städten soll die Kunst aus dem öffentlichen Raum nun in den Museumsräumen eine Fortsetzung finden.

Paul Schwer, der in Ratingen lebt, wurde 1951 im Schwarzwald geboren. Er war ab 1978 am Klinikum Essen als Kinder- und Jugendpsychiater tätig und begann im Jahre 1981 ein Studium bei Professor Erwin Heerich an der Düsseldorfer Kunstakademie. Letztendlich war es auch die Kunst, die sich in Schwers Leben durchgesetzt hat, denn den Job am Klinikum hat er 1993 aufgegeben. Aber es kann ja auch im Kunstbetrieb nicht verkehrt sein, über eine gute Portion Lebenserfahrung und einen Blick für die Irrungen und Wirrungen der menschlichen Seele zu verfügen.

Neben dem Werdegang sind aber auch das Material und die Technik, mit der Paul Schwer seit über zehn Jahren bevorzugt arbeitet, als ungewöhnlich zu bezeichnen. Der Künstler arbeitet mit großformatigen PET-Platten, die er mit Farbe versieht, bevor diese die in einer Art Ofen weich gemacht werden. Dann hat der Künstler drei Minuten Zeit, die Platten in die gewünschte Form zu bringen, bevor das Material wieder erstarrt. Beim Ziehen, Zerren und Zerknüllen stehen ihm meistens mehrere Helfer zur Seite, denn es muss ja schnell gehen. Und dennoch lässt sich oft nicht genau die vorher geplante Form erreichen – der Zufall spielt stets auch eine Rolle, und das ist Paul Schwer durchaus recht.

Dass bei der Anordnung seiner Werke in den beiden Ausstellungen der Zufall ebenfalls eine Rolle spielte, kann man definitiv ausschließen: Paul Schwer ist in den letzten Tagen fleißig zwischen Ratingen und Goch hin- und hergependelt, um den Aufbau beider Ausstellungen zu koordinieren. Das hat auch damit zu tun, dass im Werk des Künstlers Licht eine große Rolle spielt – das Licht, das im Ratinger Museum durch die Fenster und von der Decke scheint, spielt ebenso eine Rolle wie der Umstand, dass einige der Objekte selbst leuchten – Paul Schwer hat sie mit Leuchtröhren versehen. Alles zusammen musste so arrangiert werden, dass die Kunstwerke im wahrsten Sinne des Wortes „im rechten Licht“ erscheinen.

Die farbigen Objekte selbst stehen teilweise auf dem Boden, einige hängen auch von der Decke. Sie strahlen eine Dynamik aus, erinnern nicht selten an aufspritzendes Wasser. Hinzu kommen Wandbilder. Um das Zusammenspiel von Farbe, Licht und Raum wahrzunehmen, empfiehlt Museumsleiterin Dr. Alexandra König den Besuchern, die Ausstellung als begehbares Bild zu betrachten. Beim Rundgang werde man immer wieder neue, überraschende Aspekte des Ganzen wahrnehmen, verspricht sie.

Ausprobieren kann man das ab morgen. Die Eröffnung ist um 19 Uhr. Bürgermeister Klaus Pesch begrüßt dann die Gäste und Dr. Alexandra König führt in das Werk Paul Schwers ein. Die Ausstellung läuft bis zum 30. September, sie wird vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert.
mp




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