Fünf neue elektrische Poller sollen Autos wirksam aussperren
Ordnungsamt beobachtet zunehmend Verstöße – auch Anlieger sind genervt
Endlich eine „wirkliche“ Fußgängerzone schaffen
Von Egon Schuster

Ratingen. Die Stadt macht ernst mit der Abriegelung der Innenstadt. Fünf neue elektrische Poller sollen Autofahrer daran hindern, die Fußgängerzone widerrechtlich zu befahren. An den vier Hauptzufahrten zur Fußgängerzone stehen zwar bereits solche versenkbaren Poller. Es gibt aber Schlupflöcher, die zwar illegal sind, aber trotzdem rege genutzt werden. Das Ordnungsamt beobachtet schon länger eine Zunahme von Verstößen. Auch die Gastronomen an der Straße Am Alten Steinhaus sind den ständigen Autoverkehr in ihrer kleinen, als Fußgängerzone ausgeschilderten Sackgasse leid. 150 000 Euro will sich die Stadt die Maßnahme kosten lassen – vorausgesetzt, der Rat gibt grünes Licht.

Die Innenstadtpoller waren in den Jahren 2010 ff. ein Dauer-Politikum. Lange wurde zunächst grundsätzlich darum gestritten, ob man sie überhaupt braucht. Zwar wusste jeder, dass es etliche Autofahrer gab, die das Schild „Fußgängerzone“ nicht interessierte; aber die Gegner der teuren Sperrpfosten plädierten für mehr Lässigkeit im Umgang mit den Falschfahrern. Vor gut acht Jahren wurden sie dann aber beschlossen: vier High-Tech-Poller an der Oberstraße/Wallstraße, Düsseldorfer Straße/Wallstraße, Bechemer Straße/Wallstraße und Lintorfer Straße/Turmstraße. Danach dauerte es aber noch einige Jahre, bis die Technik tatsächlich so funktionierte, wie es auf dem Papier stand. Die Wörter „Poller“ und „Posse“ verschmolzen durch die häufige Verwendung zu einem festen Begriff. Inzwischen scheint es aber zu laufen.

Dass die gewählten Poller-Standorte Schlupflöcher offen lassen würden, war den Ratspolitikern natürlich klar. Aber man hielt sie für klein genug, um angesichts der hohen Kosten auf diese Sperrungen verzichten zu können. Zum einen ging es um das kleine, „abgetrennte“ Stück Fußgängerzone auf der Bechemer Straße zwischen Wallstraße und Hans-Böckler-Straße. Das hielt man für weniger Falschfahrer-gefährdet. Doch das Gegenteil ist anscheinend der Fall. Das Ordnungsamt hat beobachtet: „Der Bereich wird insbesondere in den Abendstunden als Abkürzung zur Durchfahrt oder zum Parken genutzt.“ Demnächst, so der Vorschlag, sollen zwei Poller auch diesen Abschnitt schützen.

Ein Sonderfall ist die Straße Am Alten Steinhaus, die zwar auch als Fußgängerzone ausgeschildert ist, aber nicht so aussieht – vor allem, nachdem das frühere (schadhafte) Pflaster provisorisch durch Asphalt ersetzt wurde. Diese Sackgasse mit Wendehammer dient der Anlieferung vieler Geschäfte und Lokale in dem Bereich. De facto herrscht dort aber ein permanenter Verkehr von Autofahrern, die „nur mal eben kurz“ etwas zu erledigen haben. Vor wenigen Wochen haben die ansässigen Gastronomen zur Selbsthilfe gegriffen und ein Plakat aufgehängt, um die Rechtslage zu verdeutlichen und die Autofahrer um Rücksicht zu bitten. Vor allem die Außengastronomie leidet unter den Lärm- und Abgasemissionen. Ob das mehr gebracht hat als das eigentlich ja ausreichende offizielle Fußgängerzonenschild – man kann es getrost bezweifeln. Deshalb schlägt die Verwaltung jetzt, im Einklang mit den Anliegern, auch dort einen Poller vor.

Und dann wären da noch die Fußgängerzonen-Tore Turmstraße/Oberstraße und Kirchgasse/Grütstraße/Markt. Hier, so glaubte die Ratsmehrheit beim Erstbeschluss 2010, braucht man keine Poller, weil es dort Einbahnstraßenregelungen gibt, die Einfahrt in die Fußgängerzone also doppelt verboten ist. Und was stellt das Ordnungsamt fest? „Die Verbote werden häufig missachtet.“
Durch die zusätzlichen Poller soll nun endlich eine „wirkliche“ Fußgängerzone geschaffen werden, schreibt die Stadtverwaltung. Eine, in der „sich alle Personen gefahrlos von einer Seite zur anderen begeben und auch Kinder spontan laufen können“. Anwohner und andere berechtigte Personen sollen eine Chipkarte erhalten, mit der sie die Poller versenken können. Die Feuerwehr hat sowieso Zugriff. Und montags bis samstags von 6 bis 10 sowie von 18 bis 21 Uhr sollen die Pfosten für An- und Ablieferungen sowieso ständig unten sein.




Zurück