Quecke Nr. 87
Neues Redaktionsteam des VLH stellte im Museum die Ratinger und Angerländer Heimatblätter vor
Erinnerung an „Minidomm“
Ratingen. Mit neuem Layout aber nach wie vor prall gefüllt mit Geschichte(n) aus der Heimat präsentiert sich die neue Ausgabe der „Quecke“. Das ist erwähnenswert, weil erstmals nicht mehr Manfred Buer als Schriftleiter fungierte. Diese Aufgabe hat Barbara Lüdecke übernommen, die auch Buers Nachfolgerin als Vorsitzende des Vereins Lintorfer Heimatfreunde (VLH) ist. Im Kreise der Autoren wurde die „Quecke“ Nr. 87 am Dienstagabend im Museum Ratingen vorgestellt. Die „Ratinger und Angerländer Heimatblätter“ sind zum unschlagbar günstigen Preis von fünf Euro am kommenden Wochenende am Stand des VLH auf dem Lintorfer Weihnachtsmarkt und danach im Buchhandel erhältlich.

Tatsächlich ist es nicht Barbara Lüdecke allein, die diese „Quecke“ zu verantworten hat. Wie das Ratinger Wochenblatt bereits berichtete, wurde sie von einem Redaktionsteam, bestehend aus Dietmar Fahls, Dr. Bastian Fleermann, Walburga Fleermann-Dörrenberg, Bruni Gebauer, Bettina Pook und Dr. Andreas Preuß, tatkräftig unterstützt. Gäste bei der Vorstellung des neuen Hefts waren auch der langjährige Schriftleiter Manfred Buer und seine Ehefrau Monika, denen Barbara Lüdecke noch einmal herzlich für die geleistete Arbeit dankte. Zu den „Quecke“-Autoren zählt der Ehrenvorsitzende des VLH nach wie vor, Buer hat einen Beitrag über die Chronik der Johann-Peter-Melchior-Schule verfasst.

Insgesamt enthält die Ausgabe Nr. 87 wieder heimathistorische Artikel, aber auch „Geschichten, die einfach schön zu lesen sind“, wie Barbara Lüdecke betonte. Viele jüngere Ratinger dürften zum Beispiel nicht wissen, was sich hinter dem Begriff „Minidomm“ verbirgt. Dabei handelte es sich um eine Miniaturlandschaft, die sich nahe dem Autobahnkreuz Breitscheid befand. Sie hätte in diesem Jahr 50. Geburtstag gefeiert, doch die Modell-Anlage wurde schon 1992 geschlossen. Oliver Münneke erinnert in der „Quecke“ an „Minidomm“ und klärt auch darüber auf, warum das doppelte M am Namensende steht: Der Erbauer hieß Will Dommel.

Auf eine eher traurige Geschichte stieß Erik Kleine Vennekate, Mitarbeiter des Ratinger Stadtarchivs, durch eine Anfrage aus Polen: Ein Historiker der KZ-Gedenkstätte Stutthof erkundete sich nach den Lebensdaten des Häftlings Emil Drillich. Die waren schnell gefunden (1908-1983), doch Kleine Vennekate entdeckte, welch tragisches Schicksal hinter den nüchternen Zahlen stand: Drillich war Theaterrequisiteur im ostpreußischen Alleinstein. Sein „Vergehen“, für das er ins KZ musste, war seine Homosexualität. Emil Drillich überlebte, konnte aber nicht in seine Heimat zurückkehren. Später folgte eine weitere Flucht, nämlich die aus der DDR. Drillich kam nach Ratingen, wo er 1983 ermordet wurde. Es spiegeln sich also einige wichtige Themen des 20. Jahrhunderts in diesem Leben – von Flucht und Vertreibung bis hin zur strafrechtlichen Verfolgung Homosexueller, die über die Nazizeit hinaus andauerte.

Weitere Themen in der „Quecke“ sind unter anderem die Geschichte der Kleinbahn in Hösel und die der Formsandgruben im Raum Ratingen sowie die Reformation in unserer Stadt. Jubiläen wie 150 Jahre TV Ratingen, 150 Jahre evangelische Kirche Lintorf und 90 Jahre Heidoli spielen ebenfalls eine Rolle. Dazu gibt es eine Interessante Neuerung: Jeder Artikel ist mit einem Bild des Autors versehen, was das Heft noch persönlicher macht. Beim neuen Layout standen dem Redaktionsteam die Mitarbeiter der Druckerei Preuß zur Seite, dort wurde das Heft auch wieder gedruckt.

Selbstverständlich enthält die Ausgabe Nr.87 einige Beiträge in Mundart. „Quecke“-Autor Ewald Dietz, der Lintorfer Fachmann auf diesem Gebiet, brachte aber auch bei der Vorstellung im Museum einige „Verzällches“ zu Gehör und hatte die Lacher auf seiner Seite. Lintorf steckt eben voller Geschichten!
mp



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