Aufgespießt
Auch Ratingerin beteiligte sich an spektakulärer Aktion für Hohmann
Unterstützung für Rechtsradikalen
Ratingen/Hilden. Der Antisemitismus-Skandal um den aus der CDU-Bundestagsfraktion ausgeschlossenen Martin Hohmann hat am letzten Freitag den Kreis Mettmann und sogar Ratingen erreicht. In einer großen Anzeige, die am Freitag, 14. November, in der FAZ und der Süddeutschen Zeitung erschienen ist, demonstriert eine Gruppe von 25 CDU-Mitgliedern „kritische Solidarität mit Martin Hohmann“.

Als Initiator firmiert der ehemalige Moderator des rechtskonservativen „ZDF-Magazins“, Fritz Schenk, eigentlicher Motor des reaktionären Appells ist aber der Hildener Verleger Michael Oelmann, der ein „Wirtschaftsblatt“ für den Kreis Mettmann herausgibt. Unterzeichnet hat auch die Ratingerin Verena Böhme, die für die CDU im Bezirksausschuss Ratingen-West sitzt.

Die auffällige Anzeige hatte bei der nordrhein-westfälischen CDU die Alarmglocken schrillen lassen. Selbst der Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers hatte sich umgehend eingeschaltet und von der Hildener CDU eine Reaktion erwartet. In einem Krisengespräch mit dem Parteivorstand am Freitagnachmittag hat Oelmann Hildener Zeitungen zufolge dann kalte Füße bekommen und sich entschuldigt für den Fall, „dass er die Gefühle von Juden verletzt haben sollte“, wie die Hildener CDU in der NRZ zitiert wird.

In dem Appell an die CDU-Chefin Angela Merkel und den CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber hatten sich die Unterzeichner gegen den Ausschluss von Martin Hohmann gewandt und stattdessen eine „offene, faire Debatte“ gefordert. Der „verdiente Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann“ wird darin als Opfer einer Medienkampagne hingestellt. Hohmanns Rede am Tag der deutschen Einheit sei zwar „durchaus strittig und in Teilen in der Tat fragwürdig, keineswegs aber antisemitisch gewesen“. Und einen Partei- und Fraktionsausschluss rechtfertige sie „in keiner Weise“.

In seiner Rede am Tag der deutschen Einheit hatte sich Hohmann unter anderem seitenlang darüber ausgelassen, wie viele Juden an der bolschewistischen Revolution in Russland beteiligt gewesen seien, und daraus in bester antisemitischer Tradition gefolgert, dass man die Juden denn auch als „Tätervolk“ bezeichnen könne, so wie dies angeblich den Deutschen allenthalben passiere.

Den Autor eines solchen unerträglichen Pamphlets mit einer 25 000 bis 30 000 Euro teuren Anzeigenkampagne zu unterstützen, kann wohl nur Leuten wie dem bekannten CDU-Rechtsaußen Heinrich Lummer einfallen, der den Hildener Appell an die CDU-Spitze auch unterzeichnet hat. Und eben Michael Oelmann, der in Hilden seit Jahren ebenfalls dem äußerst rechten CDU-Lager zugerechnet wird.

Verena Böhme aus Ratingen dagegen ist durch entsprechende politische Neigungen noch nicht aufgefallen. Gegenüber der Wochenblatt-Redaktion betonte sie auch, dass sie „nicht rechts“ sei. Auch ihr Chef, der Rechtsanwalt und langjährige Ratinger CDU-Funktionär (Kreistag, Vorsitzender Mittelstandsvereinigung) Wolfgang Leyendecker, schaltete sich ein und versicherte, der Hildener Appell habe sich nur gegen die Behandlung Hohmanns durch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel gerichtet. Wie ihm Michael Oelmann am Dienstag mitgeteilt habe, seien auch bereits über 1 000 zustimmende Faxe eingetroffen.

Den Inhalt von Hohmanns Rede teile er im Übrigen nicht, sagte Leyendecker. So ähnlich hatte sich Verena Böhme bereits gegenüber dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Udo Schäckermann geäußert, weshalb Schäckermann das Thema für erledigt hält. Auch der Kreisvorsitzende Dr. Wilhelm Droste sieht keinen Handlungsbedarf, wiewohl er sowohl Hohmanns Rede als auch den Hildener Appell verurteilt.

Allerdings werden die Bürgermeister der kreisangehörigen Städte sich noch mit dem Fall Oelmann beschäftigen. Die Städte (neuerdings auch Ratingen) und der Kreis Mettmann schalten nämlich PR-Anzeigen in Oelmanns „Wirtschaftsblatt“. Einige Stadtoberhäupter, allen voran Monheims Thomas Dünchheim (CDU), wollen diese Geschäftsbeziehung sofort beenden. es


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