Gelebte Ökumene
Ratinger Schauplätze bei der Nacht der offenen Kirchen am 24. Oktober
Ein Gang durch das Lichtlabyrinth
Das Lichtlabyrinth in der Stadtkirche, fotografiert von Peter von der Forst.
Ratingen. Der Innenraum der evangelischen Stadtkirche in Ratingen am Abend: Die Bänke sind entfernt worden, die Lampen wurden ausgeschaltet. Erleuchtet wird der Raum von Dutzenden Kerzen auf dem Boden, die ein Labyrinth bilden. Entstanden ist so ein Raum der Stille, der zur inneren Einkehr einlädt. Dieses Bild bietet sich den Besuchern am Freitag, 24. Oktober, wenn der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann zur 2. Nacht der offenen Kirchen einlädt. Das Kerzenlabyrinth ist nur eine von vielen Aktionen, die allein in Ratingen an diesem Tag stattfinden, und die es ermöglichen, Kirchenräume (neu) zu entdecken.

Bei der Organisation der Kirchennacht arbeiten 71 katholische, evangelische und evangelisch-freikirchliche Gemeinden zusammen. Schirmherr ist Landrat Thomas Hendele. Maßgeblich an der Vorbereitung beteiligt war Beate Meurer, die neue Öffentlichkeitsreferentin das Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann. Sie erinnert daran, dass die erste Nacht der offenen Kirchen im Jahre 2010 ein voller Erfolg war: Etwa 9000 Besucher fanden den Weg in die Gotteshäuser, die sich mit Kunstaktionen, Musik, Theater und vielem mehr präsentierten.

Genau darum geht es ja auch, wie Beate Meurer betont: „Wir bieten die Möglichkeit, die Kirchen mal nicht in traditioneller Weise zu erleben. Wir hoffen, dass wir dadurch auch neue Zielgruppen ansprechen - nicht zuletzt jene Menschen, die man eher nicht sonntags im Gottesdienst sieht.“ Und Pfarrer Frank Schulte von der evangelischen Kirchengemeinde Ratingen fügt hinzu, die Kirchennacht schaffe auch die Gelegenheit, „andere spirituelle Formen auszuprobieren.“

Die Besucherzahl bei der Premiere im Jahre 2010 hat gezeigt, dass sich die Menschen durchaus in dieser Art und Weise ansprechen lassen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind 2014 noch mehr Gemeinden dabei als vor vier Jahren. Aktionen zur Kirchennacht gibt es diesmal zum Beispiel in den Städten Monheim und Langenfeld, die gar nicht zum Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann gehören.

Und es kommt ebenso zu Formen der Zusammenarbeit, die nicht alltäglich sind. So haben die evangelische Kirchengemeinde Ratingen, Bezirk Süd, und die evangelisch-freikirchliche Gemeinde gemeinsam eine Kinderbibelnacht im Familienzentrum Emmaus an der Talstraße geplant, wie die Pastoren Frank Schulte und Maximilian Zimmermann berichten. Gemeinsam mit den Kindern wird gekocht, anschließend beschäftigt man sich mit biblischen Geschichten. Zum Abschluss begeben sich die Kinder und ihre Begleiter auf eine Nachtwanderung zur Klosterkirche St. Suitbertus, wo ein Taizégebet gehalten wird – und womit die „katholische Fraktion“ auch noch mit im Boot wäre.

Eine Verbindungslinie in Form eines Lichterweges besteht am 24. Oktober zwischen der evangelischen Stadtkirche und dem Ratinger Wahrzeichen St. Peter und Paul. Das Kerzenlabyrinth im Gotteshaus an der Lintorfer Straße war übrigens schon Bestandteil der Kirchennacht 2010. Es lädt dazu ein, sich symbolisch auf einen Lebensweg zu begeben und seine Mitte zu finden – genau dorthin, in die Mitte, führen nämlich alle Wege des Labyrinths. „Es geht um eine menschliche Grunderfahrung“, erläutert Astrid von der Forst, ehrenamtliche Gottesdienst-Mitarbeiterin in der Stadtkirche.

Wer dann dem Lichterweg folgt, trifft in St. Peter und Paul auf eine „interaktives Lichterkreuz“, das auf Klang und Töne reagiert. Es handelt sich um eine Installation des Künstlers Ralf Kopp. Dazu werden in der altehrwürdigen Kirche musikalische Akzente gesetzt und es gibt Gesprächsangebote. Auch in St. Peter und Paul sind es ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die für das Programm verantwortlich zeichnen. Die ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ursula Theißen ist eine von ihnen, und sie hebt hervor: „In der Nacht der offenen Kirchen werden die Besucher erleben, wie viel ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden vorhanden ist. Das ist ein wichtiges Zeichen nach außen.“

Allein die Aktionen in den Ratinger Kirchen komplett aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Einige Highlights seien aber genannt: In der evangelischen Friedenskirche in Ratingen-Ost lädt das Ensemble „Dreiklang“ zu einem musikalischen Flug zum Mond ein, in Heilig Geist in Ratingen-West kann man den Kirchenraum mit allen Sinnen erleben, in der Waldkirche Linnep wird das Kindermusical „Am großen Tisch von Jesus“ aufgeführt und in der Homberger Christuskirche wird ein Film gezeigt – allerdings nicht „Das Leben des Brian“, sondernd der wesentlich ernstere Streifen „Die Wohnung“, der sich mit einem jüdischen Schicksal befasst. Anschließend ist Gelegenheit zur Diskussion.

Angesichts der Fülle von Veranstaltungen lohnt es sich also, das Programm unter www.kirchennacht-me.de abzurufen. In gedruckter Form liegt die Übersicht in allen Kirchengemeinden und an vielen weiteren öffentlichen Stellen aus. Die Broschüre gilt am 24. Oktober übrigens auch als Fahrschein auf allen Rheinbahn-Linien.
mp


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